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Sonntag, 3. Juli 2016

Ein ganzes halbes Jahr - Kinofilm (nach dem Bestseller von Jojo Moyes)

Ein tragischer Liebesfilm der glücklich macht

  • Regie: Thea Sharrock
  • Drehbuch: Jojo Moyes
  • Produktionsland: USA
  • Erschienen: 23.Juni 2016
  • Länge: 110 Minuten 
  • FSK: 12 Jahre

Inhalt

William Traynor ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, er stammt aus einer reichen Familie, hat viele Freunde und eine glorreiche Zukunft vor sich - Luisa Clark ist so ziemlich das Gegenteil davon, sie lebt in ärmlichen Verhältnissen im Arbeiterviertel einer englischen Kleinstadt, braucht dringend einen neuen Job um ihre Eltern zu unterstützen und hat einen außergewöhnlich peinlichen Modegeschmack. Das Schicksal bringt die beiden zusammen als ein Verkehrsunfall Will eines Tages zum Pflegefall macht. Er wird Tetraplegiker, ist vom Hals abwärts gelähmt und kehrt in seine alte Heimatstadt zum Anwesen seiner Eltern zurück. Der früher so aktive und lebensfrohe junge Mann kann sich nicht mit seinem Schicksal abfinden, sieht keinen Sinn mehr in seinem Dasein und fällt in eine tiefe Depression. Um ihn aufzuheitern und von Suizidversuchen abzulenken stellen seine Eltern Luisa Clark ein, sie soll eine Verbindung zu ihm aufbauen und ihm neuen Lebensmut geben. Zu Beginn ihrer Arbeit ist Will noch ein ziemlicher Unsympath ihr gegenüber, doch im Laufe der Zeit sind es Luisas Charme, ausgefallener Klamottenstil und fröhliche Art, die Wills harte Schale aufbrechen und die beiden zu Freunden werden lassen. Doch was Luisa lange nicht weiß: Will hat vor, seinem Leben mit Hilfe einer Sterbehilfeorganisation in der Schweiz in absehbarer Zeit ein Ende zu setzen. Luisa bleiben noch sechs Monate um ihn von seiner Entscheidung abzubringen; dieses halbe Jahr nutzt sie, um mit Will zu reisen, zu lachen und zu leben. Beide verlieben sich ineinander, und es ist letztendlich vielmehr Will, der Luisa das Leben lehrt und ihr die Welt hinter der Kleinstadt zeigt. Er ermuntert sie dazu, ihr Potenzial zu nutzen und ihre Zukunft nicht zu vergeuden. Und auch wenn Luisa Will nicht von seinem Vorhaben abbringen kann, hat sie ihre Begegnung mit Will verändert...
Ein herzzerreißender und tragikkomischer Liebesfilm, der die typischen Klischees einer Romantikschnulze nicht bedient, sondern trotz des dramatischen Ausgangs vielmehr eine Geschichte über das Leben als über den Tod erzählt und darüber hinaus die Debatte über aktive Sterbehilfe neu anregt.



Persönliche Meinung

Die Anforderungen an den Film nach dem Erfolg der Buchvorlage waren hoch - und wurden dank der wunderbaren Hauptdarsteller und des Drehbuchs der Autorin erfüllt. Emilia Clarke und Sam Clafin harmonisieren außergewöhnlich gut miteinander und vermitteln die emotionalen Szenen authentisch und vollends überzeugend.  Besonders Clarke überzeigt durch ihr Mienenspiel, ihre Augenbrauen machen ihr Gesicht zu einer Leinwand der Emotionen.
Die Darstellung der englischen Kleinstadt, Louisas skurrile Outfits und ihre Reisen mit Will decken sich genau mit der Buchvorlage. Der Film setzt die richtigen Akzente, verschont den Zuschauer aber - wie in der Literaturvorlage- mit der finalen Sterbeszene Wills. Die letzte Szene der beiden ist die ihre Versöhnung auf Wills Sterbebett, zwar mit einer großen Portion Traurigkeit, die aber durch den typischen Sarkasmus der beiden erträglich wird. Louisas Reise nach Paris bildet den perfekten Abschluss des Films, sie erfüllt damit den Wunsch Wills, ihre Träume zu verwirklichen und ihr Leben zu genießen. Damit ist "Ein ganzes halbes Jahr" ein wunderbares tragikromantisches Plädoyer für das Leben und dafür dass Liebe keine Grenzen kennt - nur leider kann auch sie die unbändige Sehnsucht nach dem Tod nicht überwinden....



Dienstag, 23. Februar 2016

Deadpool - Kinofilm

Actionfilm mit Rumpelstilzchencharakter - mit viel Blut und flachem Witz zum Kinoerfolg


  • Regie: Tim Miller
  • Drehbuch: Rhett Reese & Paul Wernick
  • Produktionsland: USA
  • Erschienen: 2016
  • Länge: 109 Minuten
  • FSK: 16 Jahre

Handlung

Deadpool, der etwas andere Superheld - nicht nur der flache Humor und die vielen blutigen Gemetzel stechen bei dem Film heraus, sondern auch die Geschichte des Helden: Auftragskiller Wade ist an Krebs erkrankt und bekommt das Angebot, sich zum Superhelden transformieren zu lassen. Wade ist unsterblich in die frühere Prostituierte Vanessa verliebt, und unterzieht sich für sie dem Superheldenprogramm. Das aber verläuft anders als erwartet, er wird gefoltert und gequält bis er letztendlich neben seinen neuen Kräfte auch eine völlig deformierte und maskenähnliche Fratze erhält. Seiner Freundin traut er sich so nicht mehr unter die Augen, und verfolgt den Gedanken, das Gegenmittel für sein verzerrtes Gesicht zu finden. Es beginnt eine wilde Jagd auf seinen Gegenspieler Ajax (der eigentlich Francis heißt) mit viel Action, Blut und Superheldenpower.
Letztendlich wird Vanessa in einer spektakulären Rettungsaktion von Deadpool und seinen Superheldenverbündeten aus den Fängen der Schurken gerettet, und das Paar ist wieder vereint. Die Liebe siegt also über Wades Äußeres, und Fiesling Ajax kann das Handwerk gelegt werden.

Persönliche Meinung

In den USA liegt die Altersbeschränkung für den Streifen bei 18 Jahren, und das zu Recht.
Kunstblut war wohl gerade im Angebot, an Gemetzel und Gemorde wurde auch nicht gespart. Genauso wenig wie an vulgären und flachen Witzen.
Etwas befremdlich erschien, dass sich Deadpool ständig zum Publikum wendet, und seine eigene Geschichte selbst erzählt. Auch der Hintergrund der ständig von Ajax gestellten Frage: "Wie ist mein Name?" hat sich mir nicht ganz erschlossen, und mich eher an Grimms Rumpelstilzchen erinnert. Mein allererster Superheldenfilm verlief anders als erwartet und ich werde wahrscheinlich nicht zum neuen Marvel-Fan oder X-Men-Groupie. Trotzdem habe ich mit diesem Film meinen Horizont was Kinohits angeht erweitert, denn Superheldenkenntnisse sollte man heutzutage schließlich vorzuweisen haben.


Dienstag, 13. Oktober 2015

Er ist wieder da - Kinofilm

Erschreckend realistisch umgesetze Verfilmung einer kontrovers diskutierten Romanvorlage

Romanvorlage 

  • Autor: Timur Vermes
  • Verlag: Eichborn 
  • Erschienen: 21.September 2015
  • Seitenanzahl: 396
  • Preis: 19,33 Euro
  • ISBN: 978-3-485-02815-8 

Vermes' Roman spaltet Deutschland in zwei Meinungen: In einigen Talkshows diskutiert, provoziert der Roman mit der Frage: Darf man mit Hitler lachen? Das Cover zeigt den Titel auf weißem Hintergrund dargestellt als typischen Hitler-Bart, und der Preis des Buches spielt auf sie Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933 an. In der Geschichte sympathisiert der Leser mit der Schreckensfigur, und verliert die Distanz zu seinen Gräueltaten. Nichts desto trotz ist der Humor des Autors, mit dem er Hitler das Internet, Fernsehen und die Gesellschaft erkunden lässt unvergleichlich und zum schreien komisch. Die filmische Umsetzung ist eine Erweiterung des Rahmens, der einer Reportage über das menschliche Geschichtsbewusstsein in Form einer unterhaltsamen Polit-Satire nahe kommt.




Kinofilm

  • Kinostart: 08.Oktober 2015
  • Länge: 1h 56 min
  • Altersbegrenzung: freigegeben ab 12 Jahren
  • Gernre: Parodie & Satire
  • Regisseur: David Wnendt
  • Darsteller: Oliver Masucci, Fabian Busch, Christoph Maria Herbst, Katja Riemann, Michael Kessler
  • Produktionsland: Deutschland

Handlung

Wir schreiben das Jahr 2014, der erste Weltkrieg jährt sich zum hundertsten Mal und der zweite ist längst aus den Bewusstsein vieler Menschen verschwunden. Da taucht plötzlich mitten auf einem Berliner Grünstreifen ein Mann mit Offiziersmütze, Uniform und Bärtchen auf, der den Weg zur Reichskanzlei wissen will und darauf besteht, mit 'Führer' angesprochen zu werden. Es ist Adolf Hitler, der in seiner wahrhaftigen Gestalt mit alter Grausamkeit und Ideologie fast 70 Jahre nach seinem vermeintlichen Tod im Deutschland der Neuzeit angekommen ist. Doch alles ist anders als 1945: Der Türke ist in Berlin angekommen und eine "klobige Frau mit dem Gesichtsausdruck einer Trauerweide" regiert die sogenannte Bundesrepublik. In einem Zeitungskiosk gestrandet, mit der Studie der aktuellen Geschehnisse beschäftigt, beschließt er, seiner Vorsehung zu folgen und die Menschen endlich unter seiner Macht zu vereinen.
Am anderen Ende der Stadt verliert gerade der hoffnungslose Filmemacher Fabian  seinen Job, und erkennt seine Chance zum beruflichen Neueinstieg, als er auf die vermeintliche Reinkarnation Hitlers trifft. So beginnt eine verrückte Reise durch ganz Deutschland, eine Bestandsaufnahme der Haltungen der Menschen gegenüber der aktuellen Politik. Mit original Mitschnitten der Begegnungen verwandelt sich der Film von einer komödiantischen Satire zu echter Gesellschaftskritik und erschreckender Warnung. Ob an im Fischrestaurant auf Sylt, bei der Hundezüchterin auf dem Land oder NPD-Aufmärschen, die Zustimmung und die Verdrossenheit gegenüber den aktuellen Lage ist enorm. Zwar glaubt keiner an seine Echtheit, trotzdem überkommt dem NPD-Vorsitzenden bei der Begegnung mit Hitler der Nationalstolz und das Ehrgefühl, und auch der Tenor der Mittelschicht tendiert in Richtung Fremdenhass und Intoleranz. Stammtischparolen und Pauschalisieren, Reaktionen, die Oliver Masucci in seiner Rolle provoziert, aber deutliche Zustimmung erfährt. Masucci, stets in seiner Rolle mit ernstem Blick und Starrsinn, hält uns mit dieser Bestandsaufnahme den Spiegel vor und zeigt: Es ist mehr rechtes Gedankengut vorhanden als wir denken mögen, und stellt uns vor die Frage: Wie würden wir reagieren wenn Hitler tatsächlich wieder in die Mitte unserer Gesellschaft treten würde? Würden auch wir ihn zum Fernsehstar machen, oder die Gefahr erkennen? Anhänger seiner Ideologie gäbe es scheinbar genug...

Persönliche Meinung 

Bereits Timur Vermes' Romanvorlage wirft Kontroversen auf: darf man statt über, mit Hitler lachen? Im Buch sympathisiert der Leser automatisch mit dem etwas hilflosen und mitleiderregenden Hitler, der beim Fernsehschauen am versäumte Propagandapotenzial für die deutsche Bevölkerung verzweifelt, oder auf die Frage nach seinem Namen immerfort und mit eisernem Blick 'Hitler, Adolf' antwortet. Der Film aber schweift von der eigentlichen Geschichte ab, und ergänzt die Handlung durch die Investigation der Bevölkerung, und wirkt dadurch erschreckend authentisch. Er stellt vordergründig nicht die Frage nach der Emphatie für Hitler, sondern nach dem Gefahrenpotenzial der Gesinnungen unserer Mitbürger. Besinnunglos gehen die Probanden aus dem Videomaterial auf Hitlers provokante Parolen ein, schimpfen auf die Regierung und verlangen Fotos und Selfie mit dem Diktator. In wie weit sind wir fähig, rechte Strukturen in unserer Gesellschaft früh genug zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken? Ist Deutschland nicht längst von Rechten unterwandert, und in wie weit können wir uns überhaupt von unserer Vergangenheit befreien? Lässt das Buch das Ende offen und bereitet den Weg für eine Fortsetzung, schließt der Film mit einem vernichtenden Urteil über die historische Reflexionsfähigkeit unserer Gesellschaft.  Im Gegenzug zeigt der Film auch Sequenzen, in denen sich die Menschen von Hitler abkehren, ihn beschimpfen und ihre Angst zeigen; mehrheitlich sind sie aber begeistert von der kommerzialisierten Figur, der Hetze gegen das vermeintliche Übel für das deutsche Kulturgut. Hitler wird im Jahr 2014 zum Internetstar, die Sender streiten sich um sein Programm, und auch Fabian schöpft das Potenzial für seine Karriere aus. Letztendlich ist er der einzige, der die drohende Gefahr erkennt. Allerdings wird er von der Sensationsgier und Besessenheit der Zuschauer übermannt, und sorgt für einen dramatischen Ausgang der Komödie.
Viele Fans hatten sich zwar Christoph Maria Herbst, der bereits das Hörbuch eingelesen hatte, als Hitler-Darsteller gewünscht. Herbst hätte Rolle mit seinem unvergleichlichen Akzent wahrscheinlich noch realistischer verkörpern können. Aber Oliver Masucci beweist großes schauspielerisches Talent wenn er in keinem der Interviews mit den Bürgern oder als Gast in den verschiedenen bekannten Talksendungen aus seiner Rolle fällt. Der Film punktet zudem mit vielen prominent besetzten Nebenrollen, wie Katja Riemann und Christoph Maria Herbst als erfolgsorientierte Senderchefs, oder Frank Plasberg und Jörg Thadeusz, die ihre eigenen TV-Shows nachstellen. Vor allem aber überzeugt er durch seine Verbindung von Fiktion und Realität, es ist eine politische Investigation, die Angst macht, aber wachrüttelt. Der richtige Film zum richtigen Zeitpunkt, eine Warnung, die wir ernst nehmen sollten.

Samstag, 15. August 2015

Kartoffelsalat - Kinofilm

Humorlose Trashkomödie mit YouTube Starbesetzung


  • Regie: Michael David Pate
  • Laufzeit: 81 Minuten
  • FSK: 12 Jahre

Handlung 

Man nehme einen bescheuerten Filmtitel um die Neugierde zu wecken, ein mitleidserregendes Mobbingopfer fürs Identifikationspotenzial, eine Zombieapokalypse für die Dramatik,  und die Geheimzutat: jede Menge YouTube Stars für den Fan-Faktor. Leo Weiß (Anlass zu zahlreichen Wortwitzen) ist der Versager der Schule und selbst seine Eltern halten ihn für einen totalen Versager. Als er in Folge eines Schulwechsels ("in der Hoffnung dass auf der neuen Schule alles besser wird", eine Phrase ca. 10 mal wiederholt im Film) sein Image verbessern will und sich in das beliebteste Mädchen der Schule (BibisBeautyPalace) verliebt, bricht dort ein unbekanntes Virus aus, dass seine Mitschüler in Untote verwandelt. Leo und seine neuen Nerd-Freunde (u.a. Phil Laude) und die hübsche Streberin (Dagi Bee) gehen der Ursache auf die Spur und erwecken die Zombies wieder zum Leben. Leo wird als Held der Schule gefeiert und erhält endlich den Ruhm den er sich immer erträumt hatte, doch wer hat die Virus- infizierten Bakterien eigentlich in Umlauf gebracht....?




Persönliche Meinung

Einfältiger Humor, eine schlechte Teenie-Horror Story und ein Überangebot von Special Effekten sind die Mischung für diesen Youtube-Streifen. Produziert von Otto Waalkes (in der Rolle eines altersmüden Polizeibeamten) unter der Regie von Freshtorge (in der Rolle der Hauptperson und jeder Menge Nebencharakteren) begeistern die bekanntesten deutschen Youtube-Stars aus dem Bereich Comedy und Lifestyle die Herzen der fanatischen Fangirls und -boys. Die im Saal ausschließlich anwesenden hardcore Anhänger kommentieren die Handlung euphorisch und geraten in Begeisterungsströme wenn sie ihre Idole vom PC Bildschirm im heimischen Kinderzimmer nun auf der großen Kinoleinwand bewundern können. Allerdings ist dieser Film für unbeteiligte Zuschauer, so exklusiv und medienwirksam er auch inszeniert wird, mit seinen Insiderwitzen und flachem Humor inhaltlich absoluter Bandsalat. Auch die Gastauftritte renommierter TV-Schauspieler wie Jenny Elvers-Elbertzhagen als Alkoholabhängige oder Comedian Martin Schneider als Klassenlehrer heben das Niveau nur unerheblich.




Montag, 9. Februar 2015

The Interview - Kinofilm

Zu viel ungenutztes Potenzial, zu wenig ernsthafte Dramatik
  • Regie: Evan Goldberg, Seth Rogen
  • Drehbuch: Dan Sterling
  • Produktionsland: USA
  • Erschienen: 2014
  • Länge: 112 Minuten
  • FSK: 12 Jahre



Handlung

Nord Koreas Oberster Führer Kim Jong Un plant einen Atomangriff auf die USA um seine Macht der Welt zu demonstrieren. Dave Skylark, Moderator einer Prominententalkshow, darf das erste exklusive Interview mit dem Diktator führen, und soll eine humanitäre Katastrophe verhindern, indem er ihn tötet. Sein Redakteur und er fliegen mit einen ausgeklügeltem Mordplan im Gepäck in die Volksrepublik und sind fest entschlossen, den Gräueltaten des machthungrigen Alleinherrschers ein Ende zu setzten. Doch als Skylark den gefürchteten Machthaber kennenlernt, wirft er seine Tötungsfantasien über Bord und verfällt Kims falscher Freundlichkeit....




Persönliche Meinung

Was eine seriöse Polit Satire hätte werden können, wurde zu einer vulgären Trash-Actionkomödie. Der Hacker Angriff auf Sony Pictures hat auf einen Skandal-Film neugierig gemacht, der eigentliche Streifen aber enttäuscht mit seinen erzwungen überzogenen Comedy-Elementen.
Die Person Kim Jong Uns wird spekulativ als sensibler, gebrochener, von Vaterkomplexen aus seiner Kindheit gezeichnetes Weichei dargestellt. Aus Unzufriedenheit und mangelndem Selbstwertgefühl beschließt er, die Vereinigten Staaten zu bombardieren. Leider nur nebenbei thematisiert der Film die Unterdrückung und die Not der Nordkoreaner, und die Vergötterung Kim Jong Uns in der eigenen Bevölkerung, die er schamlos ausbeutet. Die potenziell ernsthaften Szenen, die die existentiellen Probleme des totalitär kommunistischen Staates behandeln, werden viel zu oft von obszönen und unpassenden Handlungen überschattet. Protagonist Dave Skylark lässt sich wie ein kleines Kind von Kim Jong Un einlullen, die Berechnung des Machthabers wird dabei massiv verharmlost, beispielsweise als sie sich gemeinsam hemmungslos betrinken und sich mit Kims Harems Frauen vergnügen.
Der Film ist für eine Alterbegrenzung von 12 Jahren sehr gewalttätig und anzüglich: es werden Finger abgebissen sodass das Blut nur so sprudelt, Wachen erschossen und unverblümt sowohl über Intimitäten gesprochen, als auch ausgetauscht. Kim Jong Uns Charakter wird als lächerlich und weinerlich hingestellt; ein problematischer Status in der Bevölkerung mit dem vermeintlich weitverbreiteten Glauben, er habe keine Körperöffnungen, verharmlost und ins lächerliche, ja vulgäre gezogen.
Am Ende des Films wird Kim tatsächlich getötet, sein Lieblingslied "Firework" wird als langsame Ballade im Hintergrund eingespielt während die Kamera genüsslich filmt, wie er bei lebendigem Leib verbrennt. Katie Perry wird im Anschluss von den Scorpions abgelöst, die ihr revolutionäres "Wind of Chance" spielen, und eine Demokratische Pateichefin (nebenbei die Affäre des Redaktuers, vorher engste Vertraute der Kim Familie, und Mörderin von Dutzenden unschuldigen Wachen) zum neuen Staatsoberhaupt Nordkoreas gewählt.
Ich finde es äußerst problematisch und gewagt, einen ohnehin schon als gefährlich geltenden totalitären Alleinherrscher in solch einem Film dermaßen durch den Kakao zu ziehen. Ich bin enttäuscht von "The Interview", ich hatte mir mehr Ernsthaftigkeit und eine allgemein aufklärende Wirkung erhofft.


Montag, 26. Januar 2015

Honig im Kopf - Kinofilm

Liebe vergisst man nicht
  • Regie: Till Schweiger
  • Drehbuch: Hilly Martinek & Till Schweiger
  • Produktionsland: Deutschland
  • Erschienen: 25.12.2014
  • Länge: 136 Minuten
  • FSK: 6 Jahre


Handlung

"Opa, warum hast du deine ganzen Essenssachen im Bücherregal?" - "Na weil in der Spülmaschine kein Platz mehr war" - Tildas Opa hat "Honig im Kopf", ist dement. Am Anfang vergisst er Wörter und Geschehnisse, im Endstadium sein ganzes Leben. Als er seine verstorbene Frau bei der Polizei als vermisst meldet, zieht sein Sohn Niko die Notbremse und lässt ihn bei sich einziehen. Dort macht Opa Amandus das Chaos perfekt und wird zu einer großen Belastung für die ganze Familie. In seinen klaren Momenten bemerkt auch er seinen geistigen Verfall, und ist am Boden zerstört von seiner Entwicklung. Besonders Tilda geht der Zustand ihres Opa sehr zu Herzen, und sie beschließt, dem Krankheitsverlauf entgegen zu wirken: Sie will ihm eine Aufgabe geben indem sie mit ihm nach Venedig türmt; dorthin, wo er früher mit seiner Frau einige schöne Stunden verbracht hat. Auf dieser ganz besonderen Reise stellen sich die beiden immer wieder neuen Herausforderungen: sie werden von der Polizei verfolgt, schlafen in der Bahnhofstoilette oder im Kloster und erreichen die Stadt der Liebe schließlich auf einigen Umwegen. Dort aber erleben Tilda und ihr mittlerweile völlig dementer Opa eine sehr intensive Zeit miteinander, bis er auch sie sie eines Morgens nicht mehr erkennt....


Persönliche Meinung

Dieser Film zeigt, Demenz hat Humor, und ist gleichzeitig tieftraurig. Auf dieser schmalen Gradwanderung bewegt sich die Geschichte: mal urkomisch, oft zum weinen. Dieter Hallervorden passt perfekt in die Rolle des Alzheimerkranken Amandus, den aussichtslose Ausdruck in seinen Augen spielt er bedrückend realistisch. Auch Emma Schweiger als Enkelin hat eine tolle Leistung vollbracht, so erfrischend, naiv und doch stark und klug stellt sie die kleine Tilda dar. Die Beziehung zwischen den beiden ist eine ganz besondere: Tilda scheint die einzige zu sein, die ihren Opa nicht als hilfloses Kind betrachtet, sondern im das Gefühl gibt, gebraucht zu werden. Auf ihrer Reise beweist Tilda Größe und Verantwortungsbewusstsein, sie kümmert sich aufopferungsvoll um ihren Opa und bewegt damit tief. Auch sonst glänzt der Film mit hervorragender Schauspielkunst, u.a. von Katherina Thalbach, Jan-Josef Liefers, Janette Hain, Claudia Michaelsen oder Pasquale Aleardi. Auch Samuel Koch, der bei "Wetten, Dass..." im Jahr 2010 schwer verunglückte, spielt eine kleine Rolle, die angesichts seines Schicksals aber von großer Bedeutung ist (Hier geht's zur Rezension seiner Biographie).
"Honig im Kopf" lässt den Zuschauer mit einem ganz einen besonderen Gefühlsmix aus Freude, Rührung und Bedrücktheit zurück, so zauberhaft, bewegend und mitreißend ist die Geschichte. Er schürt und nimmt gleichzeitigt die Angst vor der zerstörerischen und unaufhaltsamen Krankheit Alzheimer, die uns wahrscheinlich früher oder später, ob in der Rolle der Tilda oder des Amandus, alle betreffen wird; ein grandioser Film!
Allerdings halte ich die Altersbegrenzung (FSK 6) für zu niedrig angesetzt, es ist definitiv kein Kinderfilm, sondern führt den Zuschauer oftmals an die Schmerzensgrenze.
Von den angeblichen Spannungen am Set zwischen Schweiger und Hallervorden ist im Übrigen nichts zu spüren!



Hier geht es zum Talkshowauftritt von Dieter Hallervorden im Kölner Treff am 19.12.14, um seinen neuesten Film"Honig im Kopf" vorzustellen.


Mittwoch, 24. Dezember 2014

Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere - Kinofilm

Viel Brutalität gemischt mit ein wenig Sentimentalität
  • Regie: Peter Jackson
  • Drehbuch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson, Guillermo del Toro
  • Produktionsland: Neuseeland
  • Erschienen: 1.Dezember 2014
  • Länge: 144 Minuten
  • FSK: 12 Jahre

"Die Schlacht der fünf Heere" -  oder besser gesagt die Schlacht der fünf Gemetzel, Blutbäder oder Abschlachtereien. Ich bin kein Fan von Fantasybüchern oder -filmen aber ich hatte bereits die ersten beiden Teile der Saga aus Mittelerde gesehen und war positiv überrascht, also wollte ich mich auch auf den letzten und entscheidenden Part einlassen. Zunächst einmal hat mir eine kleine Wiederholung der vorherigen Ereignisse aus den ersten beiden Teilen gefehlt, eine kurze Zusammenfassung der Geschehnisse zum Wiederreinkommen in die Geschichte. Stattdessen sah ich mich sofort mittendrin im Geschehen: die Seestadt wird vom bösen Drachen Smaug niedergebrannt, Menschen sterben, werden von den Flammen gefressen. Als die fünf Heere aufeinandertreffen wird es nicht besser, die Brutalität zieht sich durch den ganzen Film, er ist von Tod und Krieg gezeichnet: wegen der Uneinsichtigkeit Torin Eichenschilds kämpfen Orks, Elben, Menschen und Zwerge gegeneinander; dank Computeranimation werden die Dimensionen der Heerscharen beeidruckend dargestellt, aber leider lassen sich auch die Kampf- und Mordvorgänge ziemlich genau beobachten.
Was die Geschichte an sich betrifft, finde ich die Idee, dass sich die Völker der Erde bekriegen, nur wegen der Machtbesessenheit und dem Größenwahnsinn eines einzelnen, sehr realistisch. Es wird um den Berg des Drachen gekämpft, den jedes Volk für sich beansprucht, bis die grausame Arme der Orks angreift, und Torin Eichnschild dank des Hobbits Bilbo Beutlin endlich begreift, dass er seinem Wahn verfällt. Die Streitparteien vereinigen sich und verschreiben sich dem gemeinsamen Kampf gegen die Meute der scheußlichen Kreaturen aus Gundabad, die offensichtlich mächtigste Fraktion. Der Akt der Einsicht Eichenschilds und die Rolle der Freundschaft zu Bilbo hat mir ebenfalls gut gefallen genauso wie die ungleiche Liebesgeschichte zwischen der Elbin Tauriel und dem Zweg Kili. In einer rührenden Szene muss Tauriel mit ansehen wie ihr Angebeteter qualvoll stirbt und erkennt dann erst ihre wahrhaftige Liebe zu ihm. Auch die Tatsache, dass die Schlacht der fünf Heere im Grunde eine David gegen Goliath Angelegenheit ist, bei der letztendlich die Guten gewinnen gefällt mir; allerdings fand ich es etwas komisch, dass die kleinen Zwerge gefühlte 5 Meter hohe Orks mit ein paar Säbelschlägen erledigen können. Auch dass sich Eichenschild und sein Cousin mitten im Gefecht umarmend in Wiedersehensfreude sulen, während rundherum der bittere Kampf tobt, erschien mir etwas unrealistisch, auch wenn es sich um einen Fantasy Film handelt. Von dem Ende war ich ebenfalls etwas enttäuscht: Bilbo Beutlin kehrt ins Auenland zu seiner Hütte zurück, findet sie ausgeraubt und leergeplündert vor. Ich hatte erwartet er würde sein Lebensende mit den so lieb gewonnenen Zwergen verbringen, aber der Film schließt letztendlich mit dem mittlerweile 120 Jahre alten Bilbo, der an seinem Geburtstag Besuch vom alten Gandalf dem Grauen bekommt und voller Erinnerung und Wehmut auf seine Karte von Mittelerde blickt.
Die ersten beiden Teile der Triologie haben mir deutlich besser gefallen, dort wurde nicht permanent gekämpft. "Die Schlacht der fünf Heere" war mir eindeutig zu brutal, obwohl mir die Story an sich und die kleinen Sentimentalitäten sehr gut gefallen haben.

Ich weiß dass ich mit meiner Meinung ziemlich alleine darstehe, aber ich wollte trotzdem meine Sicht als nicht-Fantsy-Fan schildern.

Habt Ihr den Film/die Filme auch schon gesehen? Ich würde mich sehr über Eure Meinungen in den Kommentaren freuen!