Sonntag, 23. August 2015

Tagebücher des Victor Klemperer - 1942

"Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten"


"Das Curriculum schleicht. Aber ich halte zäh daran fest. Und ich möchte auch gar zu gern der Kulturgeschichtsschreiber der gegenwärtigen Katastrophe werden. Beobachten bis zum Letzten, notieren, ohne zu fragen, ob die Ausnutzung der Notizen noch einmal glückt." (17. Januar 1942)
Der harte Winter setzt Körper und Geist zu. Victor Klemperer leidet sehr unter dem Umstand, dass seine Vita als letzte große Lebensaufgabe nur schleppend voran kommt. Aber er hält daran fest, das Schreiben lässt den "Juden" wieder zum Menschen werden.


"Immer das gleiche Auf und Ab. Die Angst, meine Schreiberei könnte mich ins Konzentrationslager bringen. Das Gefühl der Pflicht zu schreiben, es ist meine Lebensaufgabe, mein Beruf. Das Gefühl vanitas vanitatum, des Unwerts meiner Schreiberei. Zum Schluss schreibe ich doch weiter, am Tagebuch, am Curriculum." (8. Februar 1942)
Klemperers Freizeit reicht immer seltener zum schreiben, sowohl die Haushaltsarbeit als auch Evas und sein eigener Gesundheitszustand lassen ihn immer weiter verzweifeln. Dazu wird er für zwei Wochen zum Schnee Schippen verordnet: Das bedeutet für ihn, den ganzen Tag über der Kälte und dem Frost ausgesetzt zu sein; eine Arbeit, die seinem schwachen Herzen schwer zusetzt. Und trotzdem kann er Kontakte zu Schicksalsgenossen knüpfen,er kommt so aus der zunehmenden Isolation durch die Judengesetze heraus. Dazu entgegnen ihm die meisten Aufseher als "judenfreundlich".


"Die Essnot wird immer qualvoller. Ich benasche das besser versehene Kätchen Sara  (sie isst weniger und erhält vieles von ihrer Mutter), wo etwas offen und angebrochen herumsteht. Ein Löffel Honig, ein Löffel Marmelade, ein Stückchen Zucker oder Brot. Gestern stand ein angeschnittenes Würstchen auf dem Tisch. Ich säbelte einen winzigen Brocken herunter. Bald danach hörte ich, wie Eva den Muschel aus der Küche vertrieb: Auch er hatte von den Würstchen stehlen wollen." (16. März 1942)
Das Judenhaus weiß kaum mehr, wie es über die Runden kommen soll. Überall wird getauscht, Eva geht nun bei wohlhabenderen Freunden betteln. Oft bekommen sie etwas geschenkt, oft kann wenigstens Eva eine warme Mahlzeit in einem Restaurant bekommen, doch sie geraten immer mehr in Bedrängnis. Dazu kommt die ständige Angst vor einer Haussuchung der Gestapo, überall kursieren Schauergeschichten über das brutale und menschenverachtende Vorgehen der Nazis. Sie sollen die Wohnungen verwüsten, Lebensmittelvorräte stehlen und besinnungslos herumprügeln.


"Aber wir haben zu viele Sorgen, um uns noch Sorgen zu machen. Wir leben von Tag zu Tag, solange man und leben lässt. Eins muss im Laufe der nächsten Monate geschehen: Entweder Hitler geht zugrunde, oder wie gehen zugrunde. Jedenfalls ist das Ende nahe. Wir wollen es in Fassung erwarten."  (24. März 1942)
Klemperers droht nun such der endgültige Verlust ihres Hauses, sie können die Schulden nicht mehr bezahlen. Trotz der aussichtslosen Lage schalten Sie einen Rechtsanwalt ein, und hoffen dass ihnen die Nazis nicht auch noch das letzte Stück ihres früheren Lebens nehmen. Dazu muss nun Eva die langen Einkaufswege zurücklegen, für den Juden Klemperer ist es angesichts der sich häufenden Gestapo-Übergriffe und neuen Judengesetzgebungen zu riskant. Außerdem kann Eva als Arierin dazu leichter an Lebensmittel gelangen. Aber neben ihrem Nervenleiden quält sie ihr Fuß sehr, sie verkraftet die langen Strecken nur schwer. Victor ist tagsüber müde und schlapp, oft muss er für Eva bis spät in die Nacht oder in den frühen Morgenstunden vorlesen um sie bei Laune zu halten. Beide sind stark unterernährt.

"Ich las viel Chamberlain vor, und schlief immer wieder über der Lektüre ein, teils aus allgemeiner Erschöpfung und buchstäblichem Hungergefühl, teils wegen meiner Unfähigkeit, Philosophisches zu verstehen. Es ist erstaunlich, mit wie eng begrenzten geistigen Fähigkeiten ich meine Laufbahn gemacht habe. (Ebenso erstaunlich: mit wie wenig Fachwissen!)" (7. April 1942)
Da er seine Manuskriptseiten längst zu arischen Bekannten zur sicheren Verwahrung gegeben hat, liest Klemperer nun, was er von Freunden ausgeliehen bekommt. Es soll seinem Curriculum und seinem geplanten Buch über die Sprache im Dritten Reich, über die er stetig und viel notiert, einmal nützen. Doch auch starke Selbstzweifel bestimmen sein Denken, er liest viel Fachliteratur und redet sich ein, auch sein Intellekt habe unter der Situation gelitten, er könne vieles nicht mehr verstehen.


"Es ist sehr wichtig, dass sie (Eva) dort etwas zu essen auftreibt; so bleibt mehr Brot für mich hier."    (26. April 1942)
Die Lebensmittel werden immer knapper, es wird zum Sparen aufgerufen, doch Klemperers nagen längst am Hungertuch. Es gibt fast nur noch Kartoffeln, und wenn sie Glück haben, etwas Brot. Victor geht kaum mehr vor die Tür, Eva isst oft in Restaurants, um ihrem Mann die geschenkten oder erbettelten Lebensmittel zu lassen.


"Was gehen mir für Wünsche durch den Kopf? Nicht Angst haben vor jedem Klingeln! Eine Schreibmaschine. meine Manuskripte und Tagebücher im Hause haben. Bibliotheksbenutzung. Essen! Kino. Auto." (8. Mai 1942)
Das Judenhaus ist in die längst erwartete Haussuchung geraten. Die Gestapo Männer haben Klemperers Wohnungen verwüstet, Butter, Speck und Süßstoff für die nächsten Tage gestohlen und Eva bespuckt und ihr ein paar Ohrfeigen gegeben. Victors Tagebuchnotizen haben sie nicht gefunden, sie hätten ihn den sicheren Tod gekostet. Beide sind vergleichsweise glimpflich davon gekommen, andere Bewohner wurden schlimmer misshandelt. Doch die Angst vor einem erneuten Besuch von "Spucker" oder "Boxer" ist nun noch größer, gepeinigt und entwürdigt schrecken sie bei jedem Türklingeln zusammen, und verstecken Lebensmittel und Tabak unter den Schränken. 


"Der erhobene Katzenschwanz ist unsere Flagge, wir streicheln sie nicht, wir behalten die Nasen hoch, wir bringen das Tier durch...." (14. Mai 1942)

Juden ist es verboten Haustiere zu halten. Klemperers wollen dem Kater Muschel, seit elf Jahren ihr treuer Begleiter, den qualvollen Tod durch die Tiersammlungen der Nazis ersparen. Allerschwersten Herzens entscheiden sie sich, ihn einschläfern zu lassen. Dabei gehen sie ein hohes Risiko ein, von der Gestapo erwischt zu werden. Besonders Eva fällt der Abschied schwer.


"Aber ich schreibe weiter. Das ist mein Heldentum. Ich will Zeugnis ablegen, und exaktes Zeugnis."        (27. Mai 1942)
 Das Curriculum stagniert, doch Klemperer ist froh dass er die Seiten bei der Haussuchung sicher untergebracht hatte. Er rechnet jede Sekunde mit einem erneuten  Besuch der Gestapo, sie waren bereits ein zweites Mal da. Der Hunger ist sein ständiger Begleiter, genauso wie die Verzweiflung und die Frage: wie lange noch, und ob überhaupt...?

"Ich war wieder kindisch, feige und egoistisch: Ich dachte an den riesigen Schuster und sah die ganz, ganz kleine Urne. Da kam mir der Gedanke der Vernichtung noch näher und schüttelte mich noch mehr als einem Sarg gegenüber. - Am Nachmittag, nachdem ich lange geschlafen, las ich viel im Grätz. Bei den Lebensdaten der Personen fiel mir immer wieder auf, wie wenige Leute über die Mitte Sechzig kommen, und immer wieder schüttelte mich das Gefühl der Vernichtung. Selbst wenn ich Hitler überlebe, wie viel bleibt mir noch? Es ist so dumm: Nur das Nichtsein, nichts anderes fürchte ich." (5. Juli 1942)
Vier Haussuchungen in zwei Wochen haben das Judenhaus gezeichnet. Klemperers konnten der prügelnden Gestapo zwar wieder leidlich entgehen, doch der Schrecken sitzt ihnen tief in den Knochen. Oft erfahren sie in diesen Zeiten vom Tod oder "gestorben werden" Bekannter oder früherer Freunde. Auch die Schauergeschichten von Gestapo-Verhören und KZ-Deportationen häufen sich. Manchmal bringt Eva Erzählungen von ihren Restaurantbesuchen und Einkäufen in der Stadt nach Hause oder sie erfahren die Neuigkeiten von ihren Mitbewohnern. Auch besuchen sie wieder Bekannte außerhalb des Hauses, oft fungiert Klemperer dabei als tröstender Beistand, obwohl er selbst nicht an einen guten Ausgang der Situation glaubt.


"Als wir im Mai 40 hier einzogen , sagten wir uns, dies sei ein Provisorium. Und nun nach zweieinhalb Jahren wird ein neuen "Provisorium" beginnen, und unter welch verschlechterten Verhältnissen. Allein die Sommer! Im Sommer 40 die weiten Ausflüge, im Sommer 41 immer noch Spaziergänge und Sattessen, im Sommer 42 ist Eva an die Stadteinkäufe gebunden, und ich lebe wie ein Gefangener, und beide hungern wir. Und täglich lege ich mir die Frage vor, ob ich den Sommer 43 erlebe. Die anderen Männer des Judenhauses sind alle hin (...)" (21. Juli 1942)
Evas und Victors Zustand verschlechtert sich stetig. Beide sind abgemagert, Victor stiehlt weiter Zucker oder Brot bei seiner Nachbarin im Judenhaus. Umgeben von immer grausameren Erzählungen von Bestrafungen der Gestapo für die kleinsten Vergehen, traut er sich nur noch selten nach draußen. Zu viele Juden werden derzeit die Arbeitslager und KZs deportiert, zu schnell erhalten die Familien die Todesnachricht. Entweder heißt es darin "bei der Flucht erschossen" oder "an Altersschwäche verstorben". Eva ist fast den ganzen Tag mit der Lebensmittelbeschaffung beschäftigt, oft steht sie stundenlang vergeblich vor den Lebensmittelgeschäften an.



"Wir sind jetzt Sechzig Jahre als, und von diesen sechzig haben wir sieben als Kriegszeit durchlebt., mehr als zehn Prozent. Europa im 20.Jahrhundert! Aber welch eine anständige Sache war der vorige Krieg, wie wenig Entsetzen im Vergleich zu diesem hatte er für mich. Unter allem, was ich tue und denke, immer das Bild des Galgens in einer Gefängniszelle." (31. Juli 1942)
Viele Juden begehen in diesen Zeiten Selbstmord, wollen dem Hitler-Regime nicht zum Opfer fallen, und haben Angst vor einem qualvollen Verenden im KZ. Victors Gedanken kreisen Tag und Nacht um die Zukunft, wie lange wird der Krieg noch dauern? Die vox populi bewegt sich ständig zwischen Euphorie und Depression, er hat Albträume von einer erzwungener Selbsttötung in Gefangenschaft. Auch eine Judenhaus-Bewohnerin hat in diesen Tagen Selbstmord verübt, es war bereits ihr zweiter Versuch. Veronalvergiftung, sie hatte einen Bescheid zur Deportation nach Theresienstadt erhalten.



"Auf kein Alter, keine noch so völlige Gelähmtheit, keine Schmerzen werde im geringsten Rücksicht genommen. - Was ich an alldem soviel grässlicher finde als ähnliches bei den Russen: es ist nichts Spontanes dabei, es ist alles methodisch organisiert und angeordnet, es ist "kultivierte" Grausamkeit, und es geschieht heuchlerisch, im Namen der Kultur und verlogen. Bei uns wird nicht gemordet."    (14. August 1942)
Die Nazis bringen immer mehr alte Menschen nach Theresienstadt, wo sie entweder schon beim Transport verenden, sich zu Tode arbeiten, oder nach Auschwitz oder Mauthausen zur endgültigen Vernichtung deportiert werden.


"Es fällt mir alles ein, was ich entbehre und vielleicht nie wieder haben werde. Abstinenz macht schmutzig. Ob sie sich auf Zucker oder Kino, Tabak oder Frauen, Brot oder Auto bezieht. Man ist von dem Entbehrten immer in schmutziger Begehrlichkeit besessen."   (16. August 1942)
Auf den Straßen sind die abgemagerten Menschen mit dem vor Hunger aufgeblähten Bäuchen und aufgenähten Judensternen ein alltägliches Bild. Die Lebensmittelknappheit trifft Klemperers stark. Für Eva wird es immer schwieriger, eine Mahlzeit in einem Restaurant zu finden, satt wird auch sie dort längst nicht mehr. Zudem leidet Victor unter dem Zustand seiner Kleidung, oft bekommt er Jacken oder Schuhe von den verstorbenen oder deportierten Bekannten vererbt. Dienstleistungen wie Frisör oder Schuster sind für ihn nur schwer zu erhalten. Seine Gedanken kreisen um sein Überleben und die Markenknappheit, ohne die Lebensmittelspenden von Bekannten käme er wahrscheinlich nicht durch den Monat.


"In unseren Zimmer das Chaos, in Küche und Waschküche unten die Schwierigkeit , an meinem Korpus die Ungewaschenheit auch heute noch kaum viel anders als am Donnerstag. Ich rasiere mich, aber ich schlafe ohne Nachthemd, tout nu. Eva ist bis zum Zusammenbrechen abgehetzt, kommt nur wenig zum Auspacken, Einordnen. Ich finde wenig Zeit zum lesen, zum Schreiben, das bisschen Abwaschen, das bisschen Michwaschen, ein gelegentlicher Weg fressen den Tag. Abends beim Vorlesen schlafen wir nach 20 Zeilen ein." (8. September 1942)
Seit fünf Tagen wohnen Klemperers in einem neuen Judenhaus, das vorherige wurde aufgelöst. Bei der Wahl ihrer neuen Bleibe hat die Besuchsquote der Gestapo eine große Rolle gespielt. Jetzt leben sie mit zwanzig Leidensgenossen zusammen in einer alten Herrenvilla, die mit ihrer weiten Empfangshalle, hoher Decke und Galerie den Glanz der alten Zeit verkörpert. Viele Mitbewohner aber arbeiten tagsüber, sodass sie das Haus oft ganz für sich alleine haben. Eva begibt sich morgens auf Lebensmittelsuche, Victor holt sie von der Tramhaltestelle ab, und schleppt die Errungenschaften, meist schwere Kartoffelsäcke, nach Hause. Oft besuchen sie Freunde und Bekannte. Dort leiht sich Klemperer seine Bücher, die er zum Zeitvertreib und als Studium für sein Curriculum liest. Seine an Geisteskrankheit leidende Schwester ist kürzlich verstorben, doch Klemperer rührt der Verlust nicht sonderlich, er ist abgestumpft von den täglichen Todesmeldungen. Zu viele Menschen kehren nicht heim von ihren Gestapo-Besuchen, oder kommen in Theresienstadt auf ungeklärte Weise ums Leben.


Klemperer notiert viel in diesem Jahr. Sein Curriculum stagniert, sein Tagebuch ist das einzige was ihm bleibt, er beginnt darüber nachzudenken, es einmal veröffentlichen zu lassen. Er ist sich seiner Situation so ungewiss wie nie, jeden Tag rechnet er mit einer Haussuchung oder einem Deportationsbescheid. Außerdem kursieren Gerüchte über die Scheidung von Mischehen von Juden und Ariern, zu oft macht er sich Vorwürfe, Eva leide mehr als er. In seiner schriftlichen Korrespondenz mit Bekannten im Ausland kann er seine Situation nicht schildern, Briefe unterliegen längst der Kontrolle der Gestapo und auch sonst kann jedes kleine Vergehen tödlich enden. Immer lastet die Frage "Wie lang noch?" auf ihm, er sieht in seinem Dasein keine Zukunft mehr. Auf Beerdigungen wird von der Wertschätzung des Überlebens gepredigt, vom Schutz Gottes und der Bewahrung vor dem Übel. Um ihn herum begehen viele Juden Selbstmord oder werden in Arbeitslager deportiert, er erwartet das gleiche Schicksal. Zu schnell müssen sich Klemperers von gerade erst vertraut gewordenen Freunden verabschieden, was Victor und Eva von ihnen bleibt, sind oft nur einzelne Bücher aus deren Bibliotheken, die den Nazis nicht in die Hände fallen sollen, oder weitere Kleidungsstücke für den verschont gebliebenen Victor. Viele Arier wissen um die ausweglose Lage der Juden nicht einmal Bescheid.


"Judengesetze":
10.01.12: Abgabe von Woll- & Pelzsachen
17.02.42: Verbot des Beziehens von Zeitungen & Zeitschriften
03.42: Verbot von Blumenkäufen
24.04.42: Verbot der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln
15.05.42: keine Haltung von Haustieren
29.05.42: keine Friseurbesuche
09.06.42: Abgabe aller entbehrlichen Kleidungsstücken
11.06.42: keine Raucherkarten
19.06.42: Abgabe aller elektrischer Geräte & Fahrräder
20.06.42: Schließung jüdischer Schulen
18.09.432: kein Fisch, Eiern &Milch


Hier geht es zur Vorstellung des Tagebuchs von 1940 - 1941
Hier geht es zur Vorstellung der Tagebücher von 1937 - 1939
Hier geht es zur Vorstellung der Tagebücher von 1935 - 1936
Hier geht es zur Vorstellung der Tagebücher von 1933 - 1934


Mit besonderem Dank an Moppi Moopenheimer!













Samstag, 15. August 2015

Kartoffelsalat - Kinofilm

Humorlose Trashkomödie mit YouTube Starbesetzung


  • Regie: Michael David Pate
  • Laufzeit: 81 Minuten
  • FSK: 12 Jahre

Handlung 

Man nehme einen bescheuerten Filmtitel um die Neugierde zu wecken, ein mitleidserregendes Mobbingopfer fürs Identifikationspotenzial, eine Zombieapokalypse für die Dramatik,  und die Geheimzutat: jede Menge YouTube Stars für den Fan-Faktor. Leo Weiß (Anlass zu zahlreichen Wortwitzen) ist der Versager der Schule und selbst seine Eltern halten ihn für einen totalen Versager. Als er in Folge eines Schulwechsels ("in der Hoffnung dass auf der neuen Schule alles besser wird", eine Phrase ca. 10 mal wiederholt im Film) sein Image verbessern will und sich in das beliebteste Mädchen der Schule (BibisBeautyPalace) verliebt, bricht dort ein unbekanntes Virus aus, dass seine Mitschüler in Untote verwandelt. Leo und seine neuen Nerd-Freunde (u.a. Phil Laude) und die hübsche Streberin (Dagi Bee) gehen der Ursache auf die Spur und erwecken die Zombies wieder zum Leben. Leo wird als Held der Schule gefeiert und erhält endlich den Ruhm den er sich immer erträumt hatte, doch wer hat die Virus- infizierten Bakterien eigentlich in Umlauf gebracht....?




Persönliche Meinung

Einfältiger Humor, eine schlechte Teenie-Horror Story und ein Überangebot von Special Effekten sind die Mischung für diesen Youtube-Streifen. Produziert von Otto Waalkes (in der Rolle eines altersmüden Polizeibeamten) unter der Regie von Freshtorge (in der Rolle der Hauptperson und jeder Menge Nebencharakteren) begeistern die bekanntesten deutschen Youtube-Stars aus dem Bereich Comedy und Lifestyle die Herzen der fanatischen Fangirls und -boys. Die im Saal ausschließlich anwesenden hardcore Anhänger kommentieren die Handlung euphorisch und geraten in Begeisterungsströme wenn sie ihre Idole vom PC Bildschirm im heimischen Kinderzimmer nun auf der großen Kinoleinwand bewundern können. Allerdings ist dieser Film für unbeteiligte Zuschauer, so exklusiv und medienwirksam er auch inszeniert wird, mit seinen Insiderwitzen und flachem Humor inhaltlich absoluter Bandsalat. Auch die Gastauftritte renommierter TV-Schauspieler wie Jenny Elvers-Elbertzhagen als Alkoholabhängige oder Comedian Martin Schneider als Klassenlehrer heben das Niveau nur unerheblich.




Mittwoch, 12. August 2015

Mädelstrip nach Lübeck

Lübeck - traditionell, verschlafen, altertümlich und Urlaubsziel für einen Mädelsurlaub vier meiner Freundinnen und mir. Eine Woche voller Spaß, Freundschaft und bleibenden Erinnerungen im letzten Sommer vor unserem Abitur. Kräfte sammeln und Sonne tanken mit den besten Freunden. Lübeck, Hamburg und Travemünde - Hier ein paar Einblicke aus unserer Woche:


Lübecks Salzspeicher im Stil des Backsteinbarocks am Ufer
der Trave direkt neben dem Holstenor













Lübeck ist urig und trotz der über 200.000 Einwohner und der vielen Touristen gemütlich: durch die historische Altstadt, ringsrum von Wasser umgeben, wirkt es traditionell und authentisch. Die norddeutsche Kultur ist spürbar, hier kann man die typische Architektur mit den Backsteinhäusern und der historischen Befestigungsanlage aus dem 15.Jahrhundert bewundern und gleichzeitig in der modernen Innenstadt shoppen gehen.



Kirchenkultur
Auch Lübecks Kirchen sind einen Besuch wert! Allen voran der Dom mit seiner kirchenhistorisch sehr interessanten Vergangenheit, die Marienkirche mit ihren herabgestürzten Glocken, und die Seefahrerkirche St.Jakobi.
Gerade als wir den Dom besichtigen wollen, beginnt dort ein Orgelkonzert im Rahmen des Lübecker Kultursommers. Eine halbe Stunde lang werden klassische Stücke von Bach und Co. aber auch typisch Norddeutsches aus den vorherigen Jahrhunderten vorgestellt. Im Anschluss daran: eine kostenlose Führung durch die Kirche. Wir sind uns einig: Nach anderthalb Stunden im Lübecker Dom haben wir mehr über Kirchengeschichte gelernt als in elf Jahren Schulbildung! Wir sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen, und freuen uns, auf unserer Reise ein großes Stück Kultur mitgenommen zu haben.

Das imposante Kreuz im Lübecker Dom:
Links und rechts außen sind Adam und Eva in Lebensgröße
aufgestellt, außerdem Maria Magdalena, die Mutter Gottes
und Johannes. Daneben der kniende Bischof Albert II. Krummendiek,
der das Kunstwerk im Jahr 1477 stiftete.



Das Grabmal des Bischofs Heinrich II. Bochholt, der den Dom
im 14.Jahrhundert um den Ostchor erweiterte.







Ein kleines Orgelwunderwerk!




Die Marienkirche wurde im zweiten Weltkrieg
so stark beschädigt, dass ihre Glocken
herabstürzten. Zur Erinnerung an die
Grausamkeit des Krieges liegen sie dort heute
noh brach.




















 
St.Jakobi gegenüber dem Gebäude
der Fischergesellaschaft ist den
Seefahrern gewidmet. Zu Ehren der
Opfer des in Seenot geratenen
Schiffes"Pamir" steht hier das Wrackteil
des Rettungsbootes.



 




 



Hamburg

























In dieser Woche hat auch die Pride Week in Hamburg stattgefunden, und die Stadt war geschmückt in den Fraben der Gleichberechtigung und Toleranz.
Im Dungeon haben wir uns für anderthalb Stunden auf eine Reise durch die dunkle Geschichte der Stadt begeben, ob im Folterkeller, beim Sezieren eines Pest-Patienten oder in der Psychiatrie.




Rathaus
Auch hier wird in dieser Woche die Regenbogen-Flagge gehisst: Das historische Rathaus wurde Ende des 19.Jahrhunderts mit einer Höhe von 112 Metern an der Binnenalster errichtet. Das Gebäude im Stil der Neorenaissance ist heute Sitz des Parlaments und der Landesregierung der Freien- und Hansestadt Hamburg.





















Michaelis Kirche
Der Hamburger "Michel" ist das Wahrzeichen der Stadt. Dem Erzengel Michael geweiht, steht seine Bronzestatue über dem Hauptportal der Kirche. Der 132 Meter hohe Turm der Michaelis Kirche ist über 453 Stufen begehbar. Von der Aussichtsplattform kann man ganz Hamburg aus der Vogelperspektive beobachten, der anstrengende Weg nach oben lohnt sich!








 

 



















 




Travemünde

Dem schlechten Wetter zum Trotze gehörte für uns auch ein Ausflug an die Ostsee zu unserem Sommerurlaub! Lange haben wir es im rauen Seewind aber nicht am Strand ausgehalten...





















Und wie es bei einem Mädelstrip wahrscheinlich unvermeidbar ist, gab es auch bei uns ein paar Spannungen untereinander. Trotzdem haben wir uns in dieser Zeit haben alle noch einmal ein bisschen näher kennengelernt, wir werden unseren gemeinsamen Urlaub immer als besonderes Erlebnis in Erinnerung behalten. Nur das typisch norddeutsche Wetter hätte besser mitspielen können, wir haben eine Woche mit vielen Regenschauern und grauem Himmel erwischt. Aber in Lübeck lässt sich einiges unternehmen, mit shoppen, Kino und bowlen haben wir unsere Zeit gestaltet.

Lübeck ist mit seiner Nähe zur Großstadt und zum Strand ein ideales Urlaubsziel wenn man Städtetrip und Strandurlaub verbinden möchte. Die Stadt selber zeichnet sich durch gute Mischung aus moderne und Tradition aus!









Donnerstag, 6. August 2015

Der "Liebster Award"






Mein Blog bekommt einen "Liebster Award"!
Ich fühle mich geehrt, freue mich sehr und möchte mich bei Moppi Moopenheimer bedanken, der mich nominiert hat. Er steht hinter einem besonderen Blog-Konzept: ein digitales Museum im Internet. Ob Soldaten Postkarten von der Front, alte Kassenbücher oder historische Kalender, er bessert das Image des Museums als trockene Lehranstalt und Zeitvertreib an verregneten Sonntagnachmittagen auf. Seine Welt aus Büchern, Filmen, und Geschichte erweitert er dazu regelmäßig mit spannenden Reiseberichten auf seinem zweiten Blog Moopenreiser.

Warum ich mit dem Bloggen angefangen habe? ich wollte Kontakt zu anderen Bloggern und Menschen mit den gleichen Interessen aufbauen. Schnell musste ich feststellen, dass das bei der Varietät an Blogs, Themen und Bloggern gar nicht so einfach ist. Moppi Moopenheimer ist bisher der einziger Kontakt, der durch mein Bloggerdasein entstanden ist. Dafür bin ich sehr dankbar, denn er leiht mir seine Victor Klemperer-Tagebücher und gibt mir immer gute Tipps als erfahrener Blogger.

Zunächst muss ich mich den elf herausfordernden Fragen meines Nominatoren stellen:


1. Liest du Bücher immer zu Ende?

Seitdem ich diesen Bücherblog schreibe, lese ich Bücher, die ich einmal anfange habe, immer zu Ende. Denn auch wenn mir ein Buch mal nicht gefällt, kann ich daraus trotzdem einen Nutzen für den Blog ziehen. Vorher war das allerdings anders, ich war eine eher unkonsequente Leserin; habe oft sehr lange für ein Buch gebraucht, und immer wieder zu neuen Büchern übergewechselt, sodass ich oft keine Motivation hatte, ein altes zu beenden.


2. Wie lange könntest Du ohne Internetverbindung glücklich sein? (ehrlich!)
Bei dieser Frage hat man mich bei meiner Schwachstelle erwischt! Die Antwort lautet: nicht lange. Ich bin ein typische Jugendliche unserer Zeit, schaue ständig reflexartig auf mein Smartphone, in ständiger Erwartung einer Nachricht bei What's App, einer Email oder der Lösung meiner Probleme; ich weiß es manchmal selber nicht. Ich ertappe mich dabei, wie ich diesen alltäglichen und so selbstverstöndlich gewordenen Internetkonsum im Urlaub vermisse, ich muss mindestens einmal am Tag meine Sozialen Netzwerke, Emails und Blogger checken. Ich finde dieses Konsumverhalten ziemlich traurig und bedenklich, lenkt es mich doch oft von der Wirklichkeit ab, und stört meine Mitmenschen. Trotzdem schaffe ich mir bewusst Internetfreie Zeiten, kann mein Handy auch mal zu Hause liegen lassen. Ich bin nicht dauer-online, aber in meinem Alltag (Schule, Hausaufgaben, Kommunikation mit Freunden) auf das Internet angewiesen.


3. War früher alles besser?
In Anbetracht meines Alters glaube ich, nicht viel zur Klärung dieser Frage beitragen zu können. "Früher" bedeutet für mich die Zeit meiner Kindheit, und die habe ich sehr genossen. An der frischen Luft mit den Nachbarskindern spielen, mit Kreide malen, und im Winter Schlitten fahren - heute sehe ich kaum noch Kinder auf der Straße. Mein erstes Smartphone habe ich mit dreizehn Jahren bekommen, heute sehe ich, wie bereits viele Grundschüler mit modernster Technik umgehen. Auch fällt mir auf, dass Kinder heutzutage immer weniger Respekt vor älteren Menschen zeigen (in Folge dessen..?) Ich glaube, meine Generation ist die letzte, die Naturverbundenheit in dieser Form miterlebt, und soziale Kontakte noch face-to-face anstelle von face-to-screen gemacht hat.


4. Was hast du bisher in Deinem Leben verpasst und ärgerst Dich darüber?
Ich hätte viel früher mit dem Bloggen anfangen, die Sommerferien der letzen Jahre bereits für Praktika nutzen sollen, würde gerne Französisch sprechen können, habe aber damals Latein in der Schule gewählt...


5. Welche 4 Orte stehen auf Deiner Liste der Reiseziele ganz oben?
Ich möchte am liebsten die ganze Welt bereisen, aber meinen allergrößten Wunsch, eine Reise in die USA, habe ich mir in diesem Sommer erfüllen können. Außerdem würde ich gerne einmal folgende Länder erkunden:
- England (verträumtes Cornwall & kosmopolitisches London)
- China (florierende Wirtschaftsmacht & rückständige Klassengesellschaft)
- Alaska (Polarlichter, Schlittenhunde & ewiges Eis)
- Wien (geschichtsträchtige Stadt im herzen Europas)
Auch in die USA möchte ich auf jeden Fall wieder zurück!


6. Wohin möchtest Du niemals reisen?
Es gibt keinen Ort, an den ich niemals reisen möchte, zumindest kann ich keinen festlegen. Beim Reisen geht es doch vor allem darum, Menschen kennenzulernen, Kulturen zu erkunden und Erafhrungen zu machen. Von einem jeden Ort nimmt man neue Erfahrungen und Empfindeungen mit nach Hause, jedes Mal ist der eigene Horizont ein etwas größer. Allerdings würde ich wahrscheinlich nicht in aktuelle Kriegsgebiete reisen.


7. Welche sind Deine drei Lieblingszitate?
- "One day, Baby, we will be old  and think about the Stories that we could have told" (Asaf Avidan & The Mojos in "One day /Reckoning Song")
- "Manche Sachen kann einem keiner mehr nehmen. Die hat man gelebt, und die sind da, die sind sinnliche Erinnerungen, die sind irgendwo in einem drin als gutes, gutes Lebenspäckchen." (Bettina Böttinger im Interview auf WDR2 am 19.07.14)
- "Das Leben ist schön" (weniger Zitat als Filmtitel, in dem italienischen "La vita e bella" aus dem Jahr 1997 geht es um ein jüdisches Kind das im KZ Ausschwitz versteckt gehalten wird)


8.Wenn Du wählen müsstest, wärst Du lieber blind oder taub?
Letztendlich glaube ich, ich wäre lieber blind als taub. So könnte ich wahrscheinlich ein Stück meines oberflächlichen und voreingenommenen Denkens beiseite legen. Ich achte sehr auf Stimmen, und glaube, dass wir unbewusst großen Wert auf die Stimmfarbe und den Klang bei der Einschätzung eines Menschen legen. Wenn ich blind wäre, würde ich nicht mehr vorschnell nach dem Äußeren beurteilen, meinen "Blick" auf wesentlichere und wichtigere Dinge beschränken, und mir viele unangenehme Bilder ersparen. Natürlich würde mir die unglaubliche Schönheit der Natur verborgen bleiben, aber auch viel Zerstörung, Krieg und Leid. Mit meinen Ohren könnte ich lernen, die Welt neu und auf eine andere Art zu erfassen, und frei auf Menschen einzugehen.


9. Welches Jahr war in Deinem Leben Dein liebstes?
Ich glaube dass ich gerade ein unheimlich schönes Jahr erleben darf. Davon abgesehen war das letzte sehr erfahrungsreich und prägsam für mich und die Einwicklung meiner Persönlichkeit. Da ich noch nicht weiß, wie 2015 ausgehen wird, antworte ich auf die Frage mit dem Jahr 2014. Es war ein sehr anstrengendes Jahr, aber ich bin meinem großen Traum von Fernsehjournalismus und auch meinem Vorbild ein großes Stück näher gekommen.


10. Was würde passieren, wenn ein Raumschiff voller friedlicher Außerirdischer, die ein Mittel zum sofortigen Ende aller Kriege und Konflikte haben a) auf dem Gebiet der USA, b) in Deutschland c) in Nepal landen würde?
Wieder eine sehr außergewöhnliche Frage, auf die ich ehrlich gesagt gar keine sinngemäße Antwort geben kann. ich glaube nämlich, dass wir Menschen den lieben Außerirdischen gar keine Chance zur Beseitigung der Kriege und Konflikte geben würden. Wir sind so voller Misstrauen und Rationalsimus, dass wir a) niemals an Außerirdische glauben, und b) jeder was vom den fliegenden Glücksbringern abhaben wollen würde.Wir würden wahrscheinlich so lange über ihren Einsatz und die Besitzrechte auf dieses Wundermittel diskutieren, bis diese genug von der herrschsüchtigen Erde gesehen hätten, und sich wieder in ihr Weltall zurückziehen.


11. Hast Du je darüber nachgedacht, ein Religionsstifter, Begründer einer Sekte oder einer anderen Gruppierung zu sein, der Menschen folgen, die dich verehren?
Nein, darüber habe ich so noch nicht nachgedacht. Aber ich möchte schon, dass mich Menschen einmal für das bewundern, was ich tue oder in die Welt gebe. Ist es nicht dass, was ein jeder Journalist mit seiner Arbeit erreichen möchte..? Einen Wandel in der Welt bewirken, eine neue Sichtweise auf Dinge darstellen, der andere Menschen folgen und dafür Anerkennung zollen..? 


Un weil ich nominiert wurde, muss ich nun fünf weitere Blogs für den "Liebster Award" vorschlagen. Ich hoffe ich freut euch und macht mit, hier sind die Regeln:







• Danke dem Blogger, der Dich nominiert hat
• Verlinke den Blogger, der Dich nominiert hat
• Füge eines der Liebster-Blog-Award Buttons in Deinen Post ein
• Beantworte die Dir gestellten Fragen
• Erstelle 11 neue Fragen für die Blogger, die Du nominierst
• Nominiere 5-11 Blogs, die weniger als 300 Follower haben
• Informiere die Blogger über einen Kommentar, dass Du sie nominiert hast





Ich verstoße hiermit zwar ein wenig gegen die Regeln, aber ich nominiere an dieser Stelle nur zwei Blogger. Ich hoffe ihr freut euch und habt Spaß beim mitmachen:
http://jan-d-or.blogspot.de/: ein Blog über Fotografie, Hamburg und Homosexualität in unserer Gesellschaft
http://weltenbummlerseiten.de/: Reiseberichte einer Mutigen, die die Welt erkundet


Hier sind meine Fragen an euch:

1. An welchem Ort fühlst Du dich am wohlsten und warum?

2. Hast Du ein Vorbild in Deinem Leben?

3. Welche Zeit in Deinem Leben hättest Du rückblickend gerne intensiver gelebt?

4. Hast Du ein Lieblingsbuch?

5. Gibt es einen Sänger, Dichter etc, der Dir mit einem seiner Werke aus der Seele spricht?

6. Alltag oder Abenteuer?

7. Wenn Du nur einen Wunsch frei hättest, was würdest Du gerne in unserer Gesellschaft verändern?

8. Welche Charaktereigenschaft hättest Du gerne?

9. Führst du manchmal Selbstgespräche? Warum und in welchen Situationen?

10. Was machst du, um deine Erinnerungen an eine schöne Zeit oder Erfahrungen für die Zukunft zu bewahren?

11. Kannst Du Dir ein Leben ohne Internet vorstellen, und ist ein solches in unserer Zeit überhaupt noch möglich?


Sonntag, 26. Juli 2015

Der Trafikant - Robert Seethaler (Rezension)

Vom Erwachsenwerden in einer extremen Zeit und einer besonderen Beziehung zu Sigmund Freud


  • Autor: Robert Seethaler 
  • Verlag: Kein & Aber 
  • Preis: 9,90 Euro  (Taschenbuch)
  • ISBN: 978-3-0369-5909-2


Über den Autor

Robert Seethaler (*1966 in Wien) ist ein vielfach ausgezeichneter Schriftsteller und Drehbuchautor. Er hat einen angeborenen Augenfehler und besuchte eine Grundschule für Sehnehinderte. Für seine Veröffentlichungen bekam er brreits mehrere Preise und Stipendien, sein Drehbuch zu "die zweite Frau erhielt 2009 drei Grimme Preise. Auch als Schauspieler ist Seethaler aktiv.


Inhalt

Wien der 1930iger Jahre: Franz ist von einem Provinz-österreichischen Salzkammergut nach Wien gezogen, um eine Lehre als Trafikant bei dem alten Otto Trsnjek zu beginnen, um sich als eigenständiger junger Mann zu beweisen. Während sich draußen die politischen Ereignisse überschlagen, scheinen die Meldungen den kleinen Zeitschriftenladen nicht zu erschüttern. Franz erfährt in dem kleinen Geschäft das Leben in der Stadt, das so anders ist als das in dem verschlafenen Dorf. Auch seine erste Liebe findet er im fremden Wien, die Böhmin Anezka bricht ihm jedoch schnell das Herz und treibt ihn in seine erste Lebenskrise. In seiner Verzweiflung und Überforderung mit dem so neuen und unheimlichen Gefühl der Liebe wendet er sich gerne an einen seiner treuesten Stammkunden, Professor Sigmund Freud, und entwickelt eine tiefe Freundschaft zu ihm. Als die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten letztendlich auch die Straßen von Wien erreicht, können aber selbst die blinden Fenster der alten Trafik die Augen nicht mehr vor dem drohenden Unheil verschließen: Der alte Otto Trsnsjek wird von der Gestapo abgeholt und kommt auf ungeklärte Weise in einer Haftanstalt ums Leben, und auch Freud emigriert nach London aus Furcht vor den Auswüchsen des propagierten Judehasses. Franz zieht es den Boden unter den Füßen weg, er verliert die einzigen Menschen, zu denen er in der Fremde Vertrauen gefasst hat, und leidet an unergründlichem Heimweh nach seiner Mutter und der Ruhe und Beständigkeit des Dorflebens. Doch die Erfahrungen aus Wien haben ihn reifen lassen, und er stellt sich den Herausforderungen seiner Zeit. Ein wunderbares Buch über das Selbstständig werden und den Abschied in einer Welt, die ein schnelles Erwachsenwerden erfordert.


Persönliche Meinung

Inmitten des bedrohlichen politischen Umbruchs und gesellschaftlichen Wandels im Nazi-Regime sucht ein siebzehnjähriger Junge nach Liebe und Heimatgefühl in der Fremde, entdeckt dabei Liebe und Sehnsucht und reift zu einem jungen Mann heran. Feinfühlig und aufmerksam erzählt Seethaler eine Geschichte in der Malerischen Kulisse des verschlafenen Wiens, das in dieser Zeit auf brutale und gnadenlose Weise wachgerüttelt wird.
Siegmund Freud zeichnet Seethaler als den gebrechliche alte Mann, der er zum Ende seines Lebens gewesen ist. Dadurch dass er den weltbekannten und zur damaligen Zeit höchst umstrittenen Psychoanalytiker in seinem privaten Umfeld darstellt und besonders auf das Verhältnis zu Tochter Anna eingeht, zeigt er ihn in einem neuen Licht.
Franz' Träume, die ihn in Folge seiner schmerzhaften Verluste und seines Heimwehs plagen, spiegeln die Stimmung der Zeit wieder und zeigen auf erschütterliche Weise, wie ein junger Mensch die Erlebnisse verarbeitet. Auch das innige Verhältnis zu seiner Mutter zeichnet Seethaler in vielen Karten und Briefen, und verdeutlicht damit den Ablösungsprozess und das Selbstständigwerden des jungen Mannes.
Kraftvoll lässt er das Buch mit Franz' ganz eigener Rebellion gegen die Naziherrschaft enden, und lässt den Leser mit einer Art Genugtuung zurück. Denn obwohl Franz sich letztendlich den Nazis beugen muss, hat er doch ein Zeichen gegen den Hass und Rassenpolitik gesetzt.


Hier geht's zur Lit.Cologne-Lesung von Robert Seethaler & Hanns Zischler im März 2015

Hier geht's zur Rezension von Seethalers "Die Biene und der Kurt'



Sonntag, 19. Juli 2015

USA - zwischen Nightmare & Dream

Das Land der (un)begrenzten Möglichkeiten - zwei Wochen Pennsylvania, New York & New Jersey

Ein Abenteuer im fremden Land, große Chance und Herausforderung. Aus einer spontanen Begegnung mit den amerikanischen Kollegen meines Vaters ist diese Reise entstanden. Zehn Tage bei Mark und seinen Töchtern in Pennsylvania, vier Tage mit Jerry und seiner Frau am Stand in New Jersey.
Schnell begreife ich, die amerikanische Kultur ist eine andere - von mir wird eine ungewohnt große Selbstständigkeit verlangt. Ich bin willkommen und soll mich wie zu Hause fühlen, bin aber zeitweise etwas überfordert.

Hier einige der Eindrücke, die ich von meiner Reise mitgenommen habe:

Pretty Pennsylvania


Camelback Mountain - Aussichtspunkt


Ein moderner Wasserpark inmitten der
naturbelassenen Landschaft
- ein Sinnbild für die USA...?














die Kleinstadt Stroudsbourg





















Eine Gruppe Rehe direkt vor unserer Haustür -
in Pennsylvania nichts untypisches



Fourth of July


Am Abend vor dem Unabhängigkeitstag fahren Mark und ich in die Stadt, und treffen uns mit Freunden in einem Restaurant. Später gehen wir zu einer nahe gelegenen "Blockparty", Menschen haben sich auf einer Wiese zusammengefunden und eine Coverband spielt. Einige von ihnen sitzen auf Picknickdecken und Campingstühlen, andre unterhalten sich oder tanzen. Alles ist herrlich locker und unkonventionell. An diesem Abend trinke ich Bier aus einer Kühlbox im Kofferraum eines Autos im Coffee-to-go Becher.

Am vierten Juli fahren wir nach New Jersey zu Jerry und seiner Familie. Es ist eine lockere Atmosphäre, Gäste kommen und gehen, und den ganzen Tag wird gegessen. Alles ist so selbstverständlich, "feel free & enjoy yourself". Wieder fühle ich ein wenig überfordert, aber spätestens als man mich zum "Cornhole" spielen einlädt, bin ich voll dabei. Cornhole besteht aus zwei Brettern mit je einem Loch, im das zwei Teams Sandsäcke werfen müssen. Die erwachsenden Männer lieben es, man kann sich nebenbei entspannt unterhalten und ein Bier festhalten. Auf dem Weg nach Pennsylvania sehen wir aus allen Richtungen Feuerwerke aufsteigen, am nächsten Abend machen auch wir welches in der Hofeinfahrt.






















Die Amerikaner sind stolz auf ihr Land, nicht nur am 4.Juli. Sie bekennen Farbe und zeigen Flagge. Mir wird erzählt, dass die USA besonders nach dem Attentat am 11.September zusammengewachsen sind, seitdem sei der Patriotismus in den Vorgärten und den Häuserfronten erkennbar. Fehlt Deutschland nicht auch ein bisschen nationaler Stolz...? Es ist Zeit, den Wandel der Geschichte zu würdigen, und die Stellung, die unser Land heute in der Welt hat, anzuerkennen.


Abenteuer New York


New York ist bunt, laut, grell und vor allem vielseitig. Mark ist dort aufgewachsen, und so konnten wir zwei Tage bei seiner Familie Mittten in Manhatten übernachten. Durch seine Ortskenntnisse und Insidertipps haben wir New York in dieser relativ kurzen Zeit erkundet, alle wichtigen Sehenswürdigkeiten gesehen, und eine sehr schöne Zeit gehabt.
New York ist der Ein Melting point der Kulturen der Welt - dachte ich. Im Gespräch mit einer Amerikanerin erfahre ich , dass der Schein der friedlichen Koexistent trügt, New York sei vielmehr ein "pressure cooker". "You will see it when you get there " sagt sie mir, und spätestens als wir durch China Town wandern, weiß ich, wovon sie spricht. Im Gedränge werden von allen Seiten Gucci oder Prada Taschen angeboten, es sind meist ältere Asiatische Frauen, die fast flüsternd und zischend ihre Sätze aufsagen. Daneben fallen mir eine Reihe von dunkelhäutigen Männer auf, die die Menge beobachten und gezielt Drogen anbieten. Die Souveniershops überschlagen sich an billigen Angeboten; gefaktes Parfüm, Sonnenbrillen und Schmuck werden in gebrochenem Englisch den genervten Touristen angepriesen. Die Ampeln sind ein gefundenes Fressen für die Drogenpioniere und Handtaschendealer, dort können ihnen die Potenziellen Rolex-Uhrenträger und Graskonsumenten nicht einfach entfliehen. Trotzdem ist eine gewisse Müdigkeit der Straßenverkäufer zu spüren, immer wieder sagen sie brav ihre Sätze auf, jedes Mal geht ein wohlhabender Urlauber vorbei. Es ist unerbittlich heiß, doch die Frauen mit ihren chinesischen Dreieckshüten halten den Temperaturen stand. Ich fühle mich bedrängt, und aus dieser Anspannung wächst ein gewisses Schuldbewusstsein. Die Straßenverkäufer tun mir leid, ist für sie der American Dream nicht längst zum Nightmare geworden...?















Die Touristenmeile von China Town - hier wird man leicht Zeuge der gescheiterten Kulturenzusammenführung.






Rockefeller Center, Observation Deck - 67 Stockwerke über dem Boden bleibt der Verkehr und die Hektik New Yorks einmal stehen. Von hier sehen die majestätischen Hochhäuser der Stadt wie Spielzeug aus, und auch die Statue of Liberty kann man aus der Ferne nur in Umrissen erkennen. Im wenigen Sekunden im gläsernen Fahrstuhl nach oben katapultiert, stehe ich nun über den Dächern New Yorks. Der Central Park sieht von dieser Höhe aus wie eine einzige grüne Wiese in Mitten der Grauen Gebäude der Stadt. Nur das Empire State Building ragt in seiner majestätischen Gestalt direkt vor mir empor. Auf dem Observation Deck wird die laute Stadt still, und die Hektik ruhig. Es scheint, als sei "die Stadt, die niemals schläft" ins Koma verfallen.

















































Times Sqaure - plötzlich bin ich da. "This is Times Square". Ich bin überrascht, hatte ich doch mit einem pompöserem Auftritt gerechnet. Aber je mehr ich mich umsehe, desto größer wird die Begeisterung. Es ist mitten am Tag, und trotzdem scheinen die Leuchtreklame, Werbetafeln und unzähligen Lichter hell. Es ist wie eine Insel aus Lichtern umgeben von den grauen Straßen New Yorks. Welche Marke was auf sich hält, eröffnet einen Store am Times Square, so gibt es hier neben dem M&M Store, den Hershey Laden, neben dem H&M Flagschiff der dreistöckige Forever 21. Auch einer der größten Spielwarenläden hat sich hier einen Platz am der Sonne gesichert, Toys R us stellt hier auf 110.000 square feet ein Kinderparadies mit Riesenrad und lebensgroßem Puppenhaus bereit. Außerdem versuchen hier unzählige Straßenkünstler ihr Glück; ob es nun die harmlosen Disneyfiguren sind, oder die"naked Cowboys", die in Unterhose und Gitarre Frauen ansprechen, Als wir uns von einer Gruppe der verkleidetem Disneyhelden zu einem Foto breitschlagen lassen, erzählt mir Spider Man, er komme aus Süd Peru. Auch Cookie Monster und Dora machen in ihrem gebrochenem Englisch und südländischem Aussehen den Anschein, als kämen sie von weit her. "What are you doing in the US?" - "Working", sagt der unglaubliche Spinnenmann.

 



Lady Liberty - seit nunmehr fast 129 Jahren verweilt sie auf ihrer Insel und repräsentiert die Freiheit und Unabhängigkeit ihres Landes. Jeden Tag empfängt sie Besuch von tausenden Touristen die mit der Fähre ihre Schönheit und Anmut bewundern, und ihr gelegentlich zu Kopfe steigen. Weiter zieht es die Menschenmassen nach Ellis Island, dorthin wo bis 1954 zwölf Millionen Einwanderer auf ihr weiteres Schicksal in dem Land der Träume gewartet haben. Heute ist das Gebäude ein umfangreiches Museum, dass die Einwanderungsgeschichte der USA bis in die Gegenwart darstellt. Hier kann man für sieben Doller selbst zum Ahnenforscher werden, und im Archiv nach den eigenen Vorfahren suchen. Auch Mark entscheidet sich dazu, und große Freude bricht bei der Familie aus, als sie tatsächlich ihre Deutschen Vorfahren im Register vorfinden. Für 29 Dollar können sie sich nun ein Zertifikat mit den genauen Daten der Einreise ausdrucken lassen.

Im Rücken - die atemberaubende Skyline von New York
Lady Liberty hält Ausschau nach den Schiffen
auf dem Meer,
es scheint als bewache sie die Tore der USA





Der 11.09.2001 - Dieser Tag markiert einen tiefen Einschnitt in die Geschichte des Landes.. Terroristen steuern zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme im New Yorker Welthandelszentrum. 3013 Menschen verlieren dabei ihr Leben. Heute steht das One World Trade Center für die Einigkeit der Welt und den Zusammenhalt gegen den Terror. Wo einst die Twin Towers standen, ist heute das 9/11 Memorial. Zwei identische quadratische Löcher im Boden, gesäumt von Wasserfällen entlang der Kanten, die vom Becken aus in ein tiefes schwarzes Loch fließen. Außen säumen Borden mit den Namen aller Opfer den Beckenrand. Jeder Buchstabe tief in das Metall geritzt, an manche Stellen haben Angehörige Blumen oder die Flagge der USA gesteckt. Ich finde es ist ein sehr gelungenes Denkmal; das tiefe Loch im Boden, in das das Wasser unwiederbringlich hineinströmt und die unzähligen Namen der Getöteten, hinter jedem steht eine Familie und ein Leben, machen betroffen. 
































Leider wird die Atmosphäre dem traurigen Ereignis nicht gerecht, es sind einfach zu viele Menschen, die lachend für Fotos posieren, und mit dem Wasser herumspielen. Aber das ist in Ordnung, denn wie will man inmitten einer Stadt wie New York einen Ort der absoluten Ruhe einrichten, schließlich geht jeder mit den Ereignissen der Vergangenheit anders um.





Central Park - ein Ort der Entspannung mitten in der großen lauten Stadt. Es scheint wie eine Oase voll Wasser für durstige von der hektikgetriebene Menschen. Ob Anzugträger oder Obdachloser, hier liegen die unterschiedlichsten Menschen gemeinsam auf der Wiede und genießen ein bisschen Ruhe. Mit seinen kleinen Seen, Bänken und Spielplätzen lädt der Central Park zum verweilen und Menschen beobachten ein.
Aber der Central Park ist auch ein Ort der Erinnerung. Strawberry Fields ist ein lebendes Denkmal für den 1980 in New York ermordeten Sänger und Friedensaktivist John Lennon. "Imagine" war der Titel eines seiner erfolgreichsten Alben, und ziert nun ein schwarz weises kreisförmiges Mosaik. Daneben sitzt ein junger Musiker, der seine Lieder singt, eine große Menschentraube hat sich um ihn gebildet. Ich kannte Lennon weder als Musiker noch als Aktivist, doch nach meinem Besuch in Strawberry Fields weiß ich, dass er eine bedeutende Persönlichkeit gewesen sein muss.




Wenn man einmal in New York ist, muss man einfach Hot Dog von einem der Straßenverkäufer probieren. Diese werden übrigens gerne "Dirty Water Hot Dogs" genannt, die Wagen stehen oft den genzen Tag in der Sonne und niemand weiß so richtig, woher das Fleisch kommt....















New Jersey Shore - Point Pleasant Beach


Mein letztes Wochenende in den USA verbringe ich am Meer. Ich wohne bei Jerry und seiner Frau in deren Wochenendhaus in Point Pleasant Beach. Wir gehen an den Strand, machen eine Bootstour und treffen Freunde. Ich genieße das warme Wetter und die rauen Wellen des Atlantischen Ozeans, und freue mich, so viele neue Leute kennengelernt zu haben. Es ist einer schöner Abschluss meiner Reise.






















Hurrikan "Sandy" hat 2012 weite Teile New Jerseys zerstört. Hier sind die Schäden noch deutlich erkennbar. ich fahre an halbfertigen Häusern und Ruinen vorbei, an leeren Grundstücken und einigen Baustellen.




Der Boardwalk - eine Vergnügungsmeile voller Spaß, Fast Food, Zucker Spielereien. Adrenalinjunkies und Kalorienhungrige in Geldausgeberlaune kommen hier voll auf ihre Kosten. Es ist eine Kirmis auf der Promenade, die von früh bis spät das ganze Jahr über Touristen anlockt.


  



Und wie ich so am Strand liege, Sand zwischen den Zehen und das Rauschen des Ozeans im Ohr, denke ich darüber nach, wie verrückt das Leben doch manchmal spielt. Hätte man mir zu Beginn dieses Jahres erzählt, dass ich im Sommer in die USA reise, ich hätte es nicht geglaubt. Auch als ich die Kollegen meines Vaters im April kennengelernt habe, hätte ich nicht gedacht, dass sie ihre Einladung wirklich ernst meinen. Ich bin dankbar für diese Erfahrung, ich habe meinen Horizont erweitert - nicht nur geographisch. Ich werde definitiv einmal in die USA zurückkehren, ich könnte mir vorstellen auch für einen längeren Zeitraum dort zu leben.
Trotzdem ist dieser Urlaub ist nicht so gelaufen wie erwartet - vielleicht ist es gut dass ich einmal nicht nur positive Erfahrungen gemacht habe. In Pennsylvania habe ich mit Mark und seinen Töchtern zusammengelebt, und musste feststellen dass die beiden so ganz anders sind als ich. "European teenagers have to grow up faster", sagt mir einmal jemand im Gespräch. Ich habe sehr viel darüber nachgedacht, denn die beiden waren noch so unbekümmert und in der Beziehung kindlich. Ich habe mich oft alleine gefühlt, weil beide kein wirkliches Interesse an mir gezeigt, sondern in ihrer Welt aus Snapchat, Fernsehen und Freunde treffen weitergelebt haben, ohne mich daran Teil haben zu lassen. Am letzten Wochenende war ich nur mit Erwachsenen zusammen, aber dort habe ich mich keine Sekunde einsam gefühlt, ich habe es in vollen Zügen genießen können.
Die Amerikaner haben eine ganz andere Mentalität; sie sin spontaner, offener aber auch oberflächlicher als wir. Echte Freundlichkeit ist schwer von falscher zu unterscheiden, und trotzdem reizt mich diese Kultur, und es wird sicher nicht mein letzter Besuch gewesen sein. Ich bin Mark und Jerry so dankbar, dass sie mir diese Erfahrung ermöglicht, und mich in ihre Familien aufgenommen haben. Sie haben diese Zeit mit tollen Erfahrungen und interessanten Begegnungen gefüllt, und mich ein Stück selbstständiger werden lassen. Der Sommer 2015 ist dadurch zu einem ganz besonderen geworden!






- Eiswürfel im Getränk: das halbe Glas besteht aus gefrorenem Wasser - wofür bezahl ich eigentlich?!
- Autos, Wohnungen und besonders Restaurants haben Kühlschrank- Temperatur
- das Wort "Autobahn" kennt man aus der Volkswagen Werbung
- "Have you ever been to a beach?" - "ähm.... well we have the North Sea in Germany..."
- Verkäufer und Kellner sind überfreundlich: "buy something or I will bother you"
- die Frage "How are you?" ist nicht ernst gemeint...
- kaum hat man den Löffel geleckt, bekommt man auch schon den "check" im Restaurant
- die Essensportionen sind riesig
- wir kopieren schon so viele amerikanische trash-TV-shows, warum nicht auch die leckere Limonade?!
- zu Deutschland hat jeder irgendeine Beziehung
- "Pretzel" oder "Pretzel rolls" sind sehr beliebt - gemeint sind Bretzel und Laugenbrötchen
- auf dem Highway ist die Beschilderung zum nächsten Fast Food Place mindestens so wichtig wie die Verkehrsführung
- "Your drinking age is 16, right?"

Samstag, 11. Juli 2015

Tagebücher des Victor Klemperer 1940-1941

"Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten."


Klemperers ziehen ins Judenhaus und geben das letzte Stück Würde, persönliche Freiheit und Hoffnung auf eine bessere Zukunft ab. Die Fliegerangriffe häufen sich, die Volkstimmung ist schwer zu erfassen und Victors Arbeit kommt nur schleppend voran. Nur über den Fanatismus der Nazis in Verbindung mit ihrer Sprache notiert er viel, wenn er den Krieg, wenn er das Regime überlebt will er aus seinem Beobachtungen ein Buch machen.


"Ein ständiges zerrüttetes in der Schwebe, und das gilt von der privaten und der allgemeinen Angelegenheit. Kommt die Offensive? Wann? Und wann müssen wir hieraus? (31.03.1940)
Auch der große Traum vom Lebensabend im eigenen kleine Haus in Dölzschen wird nun von den Nazis zu Nichte gemacht. Ihnen droht die Übersiedelung in ein Judenhaus, die Behördenwillkür des Dritten Reichs macht auch vor den Professor und der Arierin keinen Halt. Was wird dort auf sie zu kommen? Eingepfercht mit anderen Schicksalsgenossen, warten sie auf die weiteren Einschränkungen ihres Lebens  durch die perfiden Judengesetze.



"Das Chaos des Umzuges hat begonnen, neun Zehntel der Möbel müssen auf den Speicher, wir vernichten viel Schriftliches und Gedrucktes als Ballast, was wir solange bewahrt hatten. Im Garten legt Berger seine Ladenstufen an und zerstört, was Eva in Jahren aufgebaut hat. Und bei alledem das trostlose Gefühl, dass eine günstige Änderung unserer Lage auf keine Weise anzunehmen ist."  (16.05.1940)
Ein ganzes Leben wird in Kartons gepackt und weggesperrt. Werden Victor und Eva jemals wieder nach Dölzschen zurückkehren können? Hier wird nun eine arische Familie ihr Glück finden, Klemperers haben ihres endgültig verloren. Die neuen Bewohner zerstören, was die beiden mit viel Herzblut und Kampfgeist errichtet haben.



"Gehobenes KZ" (06.06.1940)
der Einzug ins Judenhaus stellt für Victor und Eva eine große Herausforderung dar. Sie müssen sich mit den anderen Bewohnern arrangieren, auf einen Großteil ihrer Privatsphäre verzichten.



 "Niemand weiß genau, was erlaubt ist, überall fühlt man sich bedroht. Jedes Tier ist freier und rechtlich gesicherter." (06.07.1940)
Die Schlinge aus perfiden Gesetzen zur Entwürdigung der Juden zieht sich immer weiter zu. Entrechtet und gepeinigt versuchen Klemperers ihren Lebensalltag im Judenhaus zu gestalten, Victor schreibt so viel wie möglich an seiner Biograhie während es um Evas Gesundheitszustand immer schlechter steht.



 "Wir tappen im Dunklen, sind fatalistisch, hoffen immer wieder" (07.07.1940)
Die politische Lage ist undurchschaubar, immer wieder tauchen neue Gerüchte auf, doch es ist schwer der Volksstimme einen Tenor zu entnehmen, zwischen Gerücht und Fakten zu unterscheiden. Die Lage zwischen England und Deutschland bleibt angespannt, wann greifen die deutschen Truppen an? Und was geschieht mit den Juden bei einer Niederlage Deutschlands?

"Jeden Tag tauschen Gerüchte über neue Torturen auf,  und bisher sind die meisten in Erfüllung gegangen." (30.08.1940)
Ständig neue Judengesetze und Verhaftungen bei kleinsten Vergehen. Die Lebensmittel sind knapp, neben den Rationskarten ist es schwer, an Essen zu gelangen. Auch wegen der "Juden verboten"-Schilder in Restaurants und Lokalen müssen Victor und Eva immer öfterauf ihren kleinen Luxus vom außerhäusigem Abendessen verzichten.


"Wie viel Lauferei und Herumstehen, wie viel äußerste Bitterkeit ist in dieser Notiz enthalten, welch ein raub und welch ein irreparabler Verlust. Wann soll ich je wieder zu einem Wagen kommen?" (20.02.1941)
Nachdem Klemperer seinen Führerschein bereits1938 abgeben musste, verbietet ihm ein neues Judengesetz nun auch, ein Auto zu besitzen. All seine Bemühungen um den Wagen, all die Reparaturen für die er oft sein letztes Geld gegeben hat, und die nervliche Belastung - umsonst? Auch die kleinen Fahrten die ihn und Eva kurz aus ihrer tristen Lebenswirklichkeit befreien konnten, gehören nun der Vergangenheit an; die Hoffnung einmal wieder an ein Fahrzeug zu gelangen ist gleich null angesichts der ungewissen Zukunft.


"Ich habe mich sosehr an den Gedanken der Haft gewöhnt, dass er mich nicht mehr im Arbeiten stört, und dass ich die Sache fast humoristisch nehme." (24.03.1941)
Verdunkeln - eine der wichtigsten Pflichten eines deutschen Bürgers zu Kriegszeiten. Victor und Eva halten sich immer genau an die Vorgaben, sie verdunkeln ihre Zimmer immer pünktlich - bis Victor einmal ein Fenster vergisst und denunziert wird. Ihm droht eine Woche Haft, denn auch nach großen Bemühungen lässt sich die Behörde nicht erweichen. Allerdings gestattet man ihm das Lesen und Notieren, und auch Eva geht es nach einem harten Winter nervlich deutlich besser.



"Aber vielleicht wird der Kelch an mir vorübergehen, vielleicht wird er nicht ganz so bitter sein, vielleicht werde ich vorher sterben. Ich sage mir jetzt oft: Schließlich liegt ein langes, interessantes nicht einmal ganz erfolgloses Leben hinter, auf alle Fälle nur noch ein Rest vor mir - was kommt es so groß auf ihn an?" (14.04.1941 Ostermontag)
Dunkle Gedanken am Osterfeiertag. Die Zukunft Deutschlands liegt in völliger Ungewissheit, die Lebensumstände im Judenhaus werden immer schwieriger. Klemperers ziehen einen Umzug nach Berlin in Erwägung, dort sollen Juden mehr Freiheit besitzen, doch bevor ihre Planungen ernst werden können, wird die Hauptstadt für jüdische Einwanderer gesperrt.


"Und die Furcht vor dem vergeblichen Warten ist meine einzige Todesfurcht" (aus der Haft vom 23.06-01.07.1941)
Klemperers Schilderungen aus der Haft sind erschreckend. Allein mit seinen Gedanken in Einzelhaft, ohne Bücher und Papier wie anfangs versprochen, erträgt er das Warten auf das Ende der Woche kaum. Als Eva ihn besuchen kommt, schämt er sich für seinen Zustand. Er beginnt darüber nachzudenken, ob er Eva mit der Verwirklichung seiner Ziele und Pläne in den letzten Jaren nicht übergangen hat.


"Aus der Hölle war ich wohl an meinem Bleistift hochgeklettert." (aus der Haft vom 23.06 bis zum 01.07.1941) 
Professor Victor Klemperer ist am Boden angelangt. Seine Gedanken kann er nicht mehr kontollieren, er zählt die Sekunden bis zu seiner Entlassung - bis ihm ein Beamter aus Mitleid ein Blatt Papier und einen Bleistift gibt. Es ist seine Rettung aus der Depression, die Möglichkeit einige weige Notizen machen zu können, die ihn die Tage überstehen lassen.


"Alles Schwanken hat nun ein Ende. Das Schicksal wird entscheiden. Während des Krieges können wir nicht mehr heraus, nach dem Krieg brauchen wir es nicht mehr, so oder so, Tod oder lebendig." (27.06.1941)
Klemperers blicken den nächsten Jahren mit Resignation entgegen, der Glaube an eine Zukunft schwindet. Fliegerangriffe versetzen das Judenhaus immer öfter in Angst, Klemperer kommt nur langsam mit seiner Arbeit voran und Evas Nerven versagen zunehmends.


"Judengesetze":
06.02.40: Entzug der Kleiderkarte
29.02.40: kein Fernsprechanschluss
01.09.40:Verpflichtung zum Tragen des Judensterns &Verlassen des Wohnbezirks nur mit Genehmigung
26.12.41: Verbot der Nutzung öffentlicher Fernsprecher


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