Samstag, 3. Januar 2015

Rezension - Da geht noch was - mit 65 in die Kurve (Christine Westermann)

Ehrliche Selbstreflexion von Christine Westermann
  • Autorin: Christine Westermann
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch
  • Erschienen: 07.11.2013
  • Seitenanzahl: 192
  • Preis: 17,99 Euro


Über die Autorin:

Christine Westermann (*1948) ist bekannt durch ihre Sendung "Zimmer frei" im WDR Fernsehen, die sie seit nunmehr 18 Jahren zusammen mit Götz Alzmann moderiert. Im Radio bei WDR2 und in der Sendung "Frau TV" gibt sie regelmäßig Buchempfehlungen. Bis vor kurzem war sie auch als Interviewerin im WDR2 "Montalk" zu hören. "Da geht noch was" ist ihr insgesamt viertes Buch nach "Baby wann heiratest du mich?", einem Beziehungsroman, "Ich glaube er hat Schluss gemacht, Kurzgeschichten aus ihrem turbulenten (Fernseh-alltag) und "Aufforderung zum Tanz", einem Briefwechsel zwischen ihr und Jörg Thadeusz.

Inhalt

In ihrem neuem Buch fragt sich Christine Westermann was das Leben jetzt, mit 65, noch für sie bereithält. Die Endlichkeit des Lebens ist ihr bewusst geworden und beschäftigt sie sehr. Ist man mit 65 wirklich schon zu alt? Zu alt um vor der Kamera zu stehen, zu alt um zu flirten, kann man jetzt Oma genannt werden? Westermann stellt sich dagegen, hat akzeptiert und bemüht sich im Moment zu leben, das Alter auf sich zu kommen zu lassen. Dem wo sie jetzt ist, liegt ein langer Weg zuvor, den sie in ihrem Buch, einer Mischung aus Biographie und Selbstfindung, offen und ehrlich beschreibt. Sie erzählt von Unsicherheit und Selbstzweifeln, ihre ständigen Begleiter, die auch in Momenten des Erfolg immer wieder an ihr nagen. Von der Redaktion einer Fernsehsendung wurde sie gefragt ob sie Lust hätte, eine Woche in einem Schweigekloster  zu verbringen um bei ihrer Suche nach der inneren Mitte von Kameras begleitet zu werden. Sie sagt von sich selbst, sie stecke Menschen generell gerne in Schubladen, ist voreingenommen. Während ihrer Zeit im Kloster ist das nicht anders, aber sie durchlebt einen Wandel in sich, den sie authentisch, lustig und unverblümt beschreibt, typisch Christine Westermann. Auch mit der heutigen Medienwelt geht sie ins Gericht, erzählt aber gleichzeitig von ihren etwas holprigen Anfängen in der Fernsehbranche, die harten Kritiken die sie einstecken musste und die ihren inneren Kritiker aufleben ließen. Heute, sagt sie, sei der typische Berufswunsch junger Frauen "Irgendwas mit Medien". Viel zu undifferenziert und unüberlegt sei das. Dabei wirkt sie in keinster weiße anklagend oder überheblich, da sie selbst von mehreren Rückschlägen gezeichnet für ihre Anerkennung gekämpft, und sich nicht hat entmutigen lassen. Christine Westermanns Buch ist nicht nur eines für die Altersklasse 65+, es ist ein Denkanstoß für jeden, der auf der Suche ist, nach dem was kommen wird im Leben.

Persönliche Meinung 

Christine Westermann hat die Kurve bekommen, man hat das Gefühl, bei ihr geht noch so einiges! Mit dieser grundehrlichen Selbstreflexion gibt sie dem Leser viel Mut und Sicherheit, spricht aus, worüber viele Menschen nachdenken, nicht nur in ihrem Alter. Man muss nicht perfekt sein, muss es auch nicht vorspielen, man darf auch mal Angst haben vor bestimmten Situationen; das ist die Message die ich aus ihrem aktuellen Buch ziehe. Westermann geht offen mit ihren kleinen Schwächen um, sodass mancher Leser sich in ihr wiedererkennen wird. So könne sie zum Beispiel keinen Smalltalk führen, belanglose Unterhaltungen gelingen ihr nicht, und sie ist trotzdem eine begnadete Interviewerin. Außerdem urteile vorschnell bevor sie jemanden kennenlernt. Ich dachte immer, eine gute Journalistin mache die Unvoreingenommenheit aus, Westermann beweist das Gegenteil. Das macht mir persönlich Mut für die Zukunft, ich muss nicht in allen Situationen alles können.
Christine Westermann fragt sich in ihrem Buch wohin das Leben sie noch führen mag, sie macht sich Gedanken über den bevorstehenden letzten Lebensabschnitt. Aber genauso fühlen doch auch junge Menschen, die langsam lernen, auf eigenen Beinen zu stehen; fühle ich mich persönlich. "Kann ich meine Träume erfüllen? Welche Hindernisse muss ich überwinden, und vor allem: bin ich gut genug?" Die gleiche Ungewissheit und Angst mit 16 wie mit 66. Mich stärkt, nein beruhigt, dass es einer so erfolgreichen Frau wie Christine Westermann genauso geht, und zwar immer noch. Dieses Buch, so scheint es, ist ihr eine Herzensangelegenheit, ein ganz persönlicher und ehrlicher tiefer Einblick in ihr Leben und ihre Zweifel an sich selbst. Danke dafür, Frau Westermann!



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